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WAHRE GESCHICHTEN

WAHRE GESCHICHTEN AUS DEN PAAR-WORKSHOPS

"Ich habe nichts anzuziehen", rief seine Frau dem über ein Manuskript gebeugten Jack London zu. Er antwortete, ohne aufzublicken: "Dann hüll dich in Schweigen."

Wolfgang*, 43,
ist Ingenieur in einer leitenden Position. Seit 14 Jahren ist er mit Sybille*, 44, verheiratet. Sie arbeitet als Controllerin in einer Werbeagentur. Nicht selten schuftet Wolfgang gegen 60 Stunden die Woche. Sein Hobby ist Tennis spielen, er ist auch sehr begabt, sein Verein könnte ihn gut in der Interclub-Mannschaft gebrauchen. Sybille unternimmt am Wochenende lieber Wanderungen mit ihrer Freundin Sylvia, teilweise auch mit Übernachtungen in Berghütten.

Wolfgang hat verschiedene Anfragen, die einen Beitritt in die Interclub-Mannschaft betrafen, immer abschlägig behandelt. Er weiss, dass er ab und an ein ganzes Wochenende auf dem Tennisplatz gefordert wäre. Dies möchte er aber Sylvia nicht zumuten, schliesslich gehört das Wochenende doch ihnen!

Sybille ihrerseits enttäuscht ihre Freundin Sylvia, welche nicht in einer festen Partnerschaft lebt, ebenfalls oft mit Absagen für Wanderungen. So verbringt das Paar viele Wochenenden miteinander, ist aber mit dem Herzen und den Gedanken woanders. Schritt für Schritt verlieren sie ihre Sprache, gemeinsame Aktivitäten werden zur Rarität, die Sexualität erlischt rasch komplett. Eine Kurzaffäre von Sybille wird zur für sie zur Alarmglocke, sie kann Wolfgang zur Teilnahme am Paar-Workshop überzeugen. In diesem erkennen sie, dass sie sich, die Luft zum Atmen genommen hatten. Sie realisieren, dass Interclub und Wandern vor allem das Sommerhalbjahr betrifft und nicht die Wintermonate. Für den Sommer erklären sie ein Wochenende pro Monat als gemeinsam und „heilig“ ebenso die Freitagabende. Beflügelt, dass sie intensiver ihrem liebsten Hobby ohne schlechtes Gewissen nachgehen können, kehren allmählich Sprache und gemeinsame Aktivitäten zurück.


„Ich habe dich so lieb!
Ich würde dir ohne Bedenken
eine Kachel aus meinem Ofen
schenken.“
Joachim Ringelnatz

Rolf*, 53,
war viele Jahre Direktor einer Grossdruckerei. Als er spürte, dass die Umsätze trotz allen Bemühungen nachliessen, schloss er berufsbegleitend ein MBA ab, um sich nach dessen Abschluss als Unternehmensberater selbständig zu machen. Zu diesem Zeitpunkt machte seine Frau Elisabeth*, 49, Primarlehrerin und in der örtlichen Schulpflege engagiert, aus gutem Haus stammend, eine Erbschaft mit einem Gegenwert von elf Millionen Franken, bestehend aus Wertschriften, Immobilien und Bargeld. (Rolf und Elisabeth haben zwei Kinder im Alter von 19 und 13 Jahren). Rolf benötigte für den Aufbau seiner Firma Geld, Elisabeth war lediglich bereit, ihm 200'000 Franken zu schenken. Er konnte dies nicht verstehen, hatte er doch den beruflichen Schrittwechsel mit viel eigenem Einsatz und mit Weitblick nicht zuletzt auch für seine Familie gemacht. Er warf seiner Frau fehlendes Vertrauen und einen grossen Mangel an Dankbarkeit vor. Die Diskussionen ums liebe Geld mehrten sich, die Tonlage wurde schärfer, Rolf liess sich zu mehreren cholerischen Durchbrüchen verleiten.

Im Workshop wurden sich die beiden über noch viele vorhandene Gemeinsamkeiten und durchaus noch erhebliche Anziehungskraft bewusst. Sie realisierten, dass vorwiegend die Geldproblematik für die sich häufenden Misstöne verantwortlich war und engagierten daraufhin zwei Notare, die eine gütliche und für beide tragbare Lösung ausarbeiteten.


„Treue ist nicht selten bloss ein Mangel an Gelegenheiten.“
Anonym


Rosemarie*, 59
und Jürg*, 60, arbeiteten gemeinsam bei einer Grossbank. Sie haben beide von einer Offerte der Bank profitiert, sich vorzeitig pensionieren zu lassen. Ihre drei Kinder sind längst erwachsen und aus dem Haus. Bereits kurz nach der Pensionierung realisieren die beiden, dass sie nur für die Kinder und den Job gelebt und keinerlei Hobbys und nur wenige Freundschaften gepflegt haben. Rasch kehrt Monotonie und Frust in den Alltag ein. Streitereien wegen Bagatellen nehmen zu, auch die Kinder kommen immer seltener, weil die Luft im Elternhaus oft „zum Schneiden“ ist. Jürg lässt sich sogar auf eine Affäre mit einer tschechischen Tänzerin ein, die von ihm rasch eine Entscheidung will: Sie oder seine Frau. Sie scheut sich auch nicht, mit seiner Frau Kontakt aufzunehmen, die Liason fliegt auf. Jürg beendet die Affäre, aber es ist beiden klar, dass sie so nicht weiterleben möchten.

Im Workshop erinnern sie sich, wo sie sich überhaupt kennen gelernt haben: Vor vielen Jahren in der Hotelfachschule. Während des Tages kristallisiert sich heraus, dass immer noch bei beiden viel Passion für die Gastronomie und für die Toskana vorhanden ist. Dreiviertel Jahre später übernehmen die beiden ein Restaurant in der Nähe von Siena, welche das Wirteehepaar altershalber verkaufen musste.


„Im Namen der Toleranz sollten wir das Recht beanspruchen, die Intoleranz nicht zu tolerieren.“
Karl Raimund Popper


Holger*, 48
und Bettina*, 43, sind seit dreizehn Jahren verheiratet, aber bewusst kinderlos geblieben: Kinder waren mit ihren beruflichen Karrieren nicht unter einen gemeinsamen Hut zu bringen. Bettina ist Schauspielerin, bis vor kurzem war sie auch als Modell tätig, Holger ist der Inhaber einer Friseursalon-Kette. Sie schlafen seit über drei Jahren ausser im Urlaub nicht mehr miteinander, obschon sie attraktive Menschen sind. Beide haben beinahe non-stop flüchtige Affären, die sie aber auch nicht wirklich befriedigen. Man spricht auch nicht darüber, obschon beide es ziemlich genau wissen, zumindest ahnen. Der Alltag als stummes Arrangement und eher trist, man geht sich eher aus dem Weg und sucht, wenn zusammen, Zerstreuung in Gesellschaft mit anderen Paaren oder im Konsum. Frisch zurück aus einem Urlaub spüren sie, dass sie sich nicht à tout prix trennen möchten.

Im Workshop kann sich Bettina überwinden, Holger mitzuteilen, dass sie mit ihrer besten Freundin vor dem Urlaub in einem edlen Swingerclub gewesen ist und einen solchen mit ihm besuchen möchte. Holger sträubt sich anfänglich intensivst dagegen („Adiletten-Groove fetter Menschen“), lässt sich aber überzeugen, einen Versuch mit Bettina zu wagen.

Nach drei Monaten erhalte ich ein Mail der beiden, dass sie nie einen solchen aufgesucht, aber auf einer Swingerplattform zwei sympathische und gleichgesinnte Paare kennen gelernt hätten, mit denen sie sich etwa vierzehntäglich austauschen würden, auch körperlich. Mittlerweile würden sie aber auch alleine wieder 1-2 die Woche miteinander schlafen und ihre Sprachlosigkeit wäre verstummt.

Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein...

* Alle Namen geändert.

WISSENSWERT